Rückblick
Doppelpass. Frauen und Fußball in Südafrika und Nigeria
Dr. Antonie Nord und Christine K, Foto: Gunda-Werner-Institut, Bestimmte Rechte vorbehalten: CC-BY-SA.
After-Work-Gespräch in der Böll-Arena

Deutschland ist 2011 Austragungsort der Fußball-WM der Frauen und erhofft sich nach der WM von 2006 ein weiteres Sommermärchen. Der DFB und die FIFA wünschen sich die „Mädels“ 2011 „von ihrer schönsten Seite“ und versprechen wieder volle Stadien, nachhaltige Entwicklung und wirtschaftliche wie gesellschaftliche Impulse, auch für das Austragungsland. Grund genug für uns, in der Böll-Arena einen Blick zurück auf die WM in Südafrika und nach vorn auf eine Frauen-WM-Teilnahme-Nation zu werfen. Dr. Antonie Nord, Leiterin des Regionalbüros Südliches Afrika und Christine K, Leiterin des Landesbüros Nigeria, standen unter der Moderation von Judith Strohm (Geschäftsführerin AfricAvenir International e.V.) zu diesem Doppelpass in Sachen afrikanischer Fußball Rede und Antwort.
Antonie Nord konnte von zwei Seiten der WM-Medaille berichten: Zwar war der ökonomische Nutzen der Austragung des sportlichen Großereignisse gering und positive Effekte für die Armen und die Arbeitslosenstatistik blieben weitgehend aus – die Bevölkerung ist aber nach wie vor enthusiastisch und begeistert von dem Bild Südafrikas in der Welt: Aus südafrikanischem Blickwinkel sind schwarz und weiß im Land näher zusammengerückt.
Die südafrikanische Fußball-Euphorie umfasst aber in erster Linie die Männer – die Frauenmannschaft Bañana Bañana hat sich mit dem Bronzeplatz beim Africa-Cup nicht für die WM qualifiziert, so dass Frauenfußball Nischensport geblieben ist.

In Nigeria hingegen haben sich die „Super Falcons“ als das erfolgreichste Fußballteam des Landes etabliert und die WM-Teilnahme gesichert. Zwar hat der Frauenfußball auch in Nigeria üblicherweise keine riesigen Anhängerschaft, wenn aber das Nationalteam der Frauen in Deutschland bei der WM dabei ist, wird die Frauensache zur nationalen Bewegung und auch konservative Männer können Stolz empfinden, wo sie sonst vielleicht eher von „ungezähmten, unartigen Mädchen“ sprechen. Frauenfußball bietet so gute Chancen, Themen wie Gleichberechtigung und Geschlechterdemokratie in die Öffentlichkeit zu bringen. Christine K stellte hierzu die Arbeit einer Partnerorganisation der Heinrich-Böll-Stiftung vor, die das Fußballtraining für junge Frauen mit der Debatte über Gesellschaftspolitisches verknüpft. So lernen die Kinder und Jugendlichen im Rahmen des Sports ganz nebenbei etwas über Wertschätzung, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Gesundheit, Würde und Fairness – neben vielem anderen. Auch der Respekt zwischen den Geschlechtern ist ständiges Thema: Bei Spielen von gemischten Teams ergibt ein von einem Mädchen nach einer Vorlage eines Jungen erzieltes Tor gleich zwei Punkte.

Ein großes Problem in beiden Ländern ist – nicht nur im Zusammenhang mit Frauenfußball - sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und die Diskriminierung von Homosexuellen – in Südafrika bis hin zum so genannten „correctional rape“. Dabei sind die rechtlichen Voraussetzungen in den beiden Staaten höchst unterschiedlich: In Nigeria ist Homosexualität kriminell, so dass darüber gar nicht debattiert werden kann, da niemand mit dem Thema in Verbindung gebracht werden will. Südafrika besitzt hingegen eine höchst fortschrittliche Gesetzgebung, die Frauenrechte sind dort rechtlich etabliert – die Gewalt in der Gesellschaft steht dazu jedoch in Widerspruch. Hier ist in den vergangenen zehn Jahren keine Verbesserung festzustellen, was für Antonie Nord die größte Herausforderung in ihrer Arbeit darstellt.

Beide Büroleiterinnen stellten die facettenreiche Stiftungsarbeit vor Ort und die Besonderheiten ihres Landes vor. Es ergab sich eine intensive Diskussion mit dem Publikum, die im Anschluss bei informellem Austausch noch lange fortgesetzt wurde.

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