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Europäische Geschlechterpolitiken – EU-Ländervergleich
Tschechien
Geschlechterpolitische Situation in Tschechien
Übersicht

Rechtslage:

Akteur_innen:

Wissenschaft:

Kurzbeschreibung und -bewertung

Die tschechische Verfassung war die erste in Europa, die explizit die Gleichheit von Männern und Frauen formulierte. Dank der Juristin Milada Horáková gab es im tschechischen Familienrecht den Ausdruck “Familienoberhaupt“ nicht mehr. Die kommunistischen Zeiten stoppten diese Fortschritte und trugen im Gegenteil dazu bei, dass Frauen von Politik ausgeschlossen wurden.

Mit den Wahlen 2010 wurde die Parteienlandschaft Tschechiens gründlich durcheinandergebracht. Die sozialdemokratische Partei gewann zwar, hat aber nicht die absolute Mehrheit. Die Regierung, also die Ministerien werden von keiner Frau geführt, was bereist als Zeichen für eine eher schwache Geschlechter-Politik angesehen werden kann.

Auch die in der ersten Hälfte 2009 stattgefundene tschechische Ratspräsidentschaft setzte sich in ihrem Arbeitsprogramm eher für die häusliche Kinderbetreuung als für eine moderne Geschlechterpolitik ein. Die sogenannten Barcelona Kriterien der Europäischen Union, die ausreichenden Kinderbetreuungsplätze bis 2010 schaffen wollen, werden so von einzelnen Mitgliedsstaaten in Frage gestellt. Ausreichende Kinderbetreuung ist aber eine zentrale Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und für den Wiedereinstieg von Müttern und Vätern in den Beruf. Das Vorhaben scheiterte allerdings am Widerstand des EU-Parlaments. Es dominiert Familienpolitik statt Gender Mainstreaming! Dieser Vorstoß der damaligen tschechischen Regierung verweist darauf, dass auch in Tschechien Gleichstellungspolitik auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf reduziert und damit der Familienpolitik zugeordnet wird.

Seit 1989 hat es keine öffentliche Kampagne für mehr Frauen in der Politik gegeben. Auch nicht von Seiten der Frauenorganisationen. Erst ab 1997 gibt es eine intensive Beschäftigung mit der Gleichstellung von Mann und Frau. 1998 kam es zu einer kleinen Sensation, als zwei Frauen (Vlasta Parkanova und Zuzana Roithova) in den Senat gewählt wurden. So fiel das qualifizierende Attribut männlich für einen Politiker weg. Im Rechtssystem ist die Gleichstellung zwischen Mann und Frau umgesetzt, in der Gesellschaft noch nicht. Hier herrschen noch zu viele Rollenklischees, die schwer aufzubrechen sind (typische geschlechtsspezifische Arbeitsteilung im Haushalt und in der Pflege). Die tschechische Gesellschaft hat grundsätzlich eine positive Einstellung zur?Gleichstellung der Geschlechter vor allem in Bezug auf die Gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt und des Verbots jeglicher Diskriminierung. Aber spezielle Aktionen (Quoten, Monitoring) sind nicht gern gesehen.

Im Jahr 2002 hat das Ministerium für Arbeit und Soziales eine gender-basierte ArbeitnehmerInnen-Analyse vorbereitet, welche die ungleichen Positionen von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt zum Nachteil der Frauen ans Licht förderte. Stichwörter sind hier Pay Gap, höhere Arbeitslosigkeit unter Frauen, Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen usw. Regierungs- und Nichtregierungs-Organisationen versuchen durch gemeinsam organisierte Programme das stereotype Denken im Lebensalltag von Männern und Frauen zu verändern. Man kann feststellen, dass „die tschechische Gesellschaft“ durch Ineinandergreifen von Regierungspolitik bezogen auf Chancengleichheit, rechtlichen Maßnahmen, Bildungsmaßnahmen und Projekten auf einem guten Weg zu Gender Equality ist.

Und auch im Jahr 2010 sind die enormen Unterschiede in den Gehältern – vor allem in den Führungsebenen und Universitäten – zwischen Frauen und Männern ein wichtiges Thema, aber nicht für die Regierung. Eine Frau verdiente durchschnittlich rund 2100 € weniger im Jahr als ein Mann. Das entspricht 26,2 %, die zweithöchste Quote in der EU. (Quelle: euranet) Gleichzeitig hält Tschechien mit 9 % eine in der EU relativ hohe Quote bei den Frauen, die einem börsennotierten Unternehmen vorsitzen.

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Rechtslage
Gleichstellungsrecht

Prioritäten und Grundsätze der Regierung

Den Prioritäten und Grundsätzen der Regierung zur Förderung der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zufolge wird anerkannt, dass Gender Mainstreaming zu den grundlegenden Instrumenten der Gleichstellungspolitik der tschechischen Regierung gehört. Gemäß Paragraph 1.8 dieses Dokumentes müssen alle Behörden sich in allen Phasen ihrer Entscheidungsfindung und des politischen Entwicklungsprozesses an das Prinzip der Chancengleichheit halten. Jedoch wird dieses Instrument bisher mangels Kenntnis des Prinzips und seiner Anwendungsmethoden weitgehend kaum genutzt. Oberste Priorität für die Regierung ist weiterhin, das Prinzip der Chancengleichheit in der Praxis zu erfüllen und konsequent zu fördern. Grundvoraussetzung, um dieses Ziel zu erreichen, ist, Gender Mainstreaming bei allen wesentlichen politischen Richtlinien, die das Alltagsleben von Männern und Frauen betreffen, effektiv in die Praxis umzusetzen.

Mit der Entschließung Nr. 456 der tschechischen Regierung vom 9. Mai 2001 wurden alle Abteilungen angewiesen, ab 1. Januar 2002 eine Stelle, mindestens eine Halbzeitstelle, für eine/n MitarbeiterIn (Gender-Schwerpunkt) zu schaffen, der/die seine/ihre ganze Arbeitszeit der Chancengleichheit von Männern und Frauen widmet. Der Regierungsrat für Chancengleichheit von Männern und Frauen nahm 2002 seine Arbeit auf. Er wurde aufgrund der Entschließung Nr. 1033 der tschechischen Regierung vom 10. Oktober 2001 als Beratungsgremium der Regierung eingesetzt. Der Regierungsrat für Chancengleichheit von Frauen und Männern, nachstehend „der Rat“ genannt, ist ein ständiges Beratungsgremium der Regierung in allen Belangen, bei denen es um die Herstellung von Chancengleichheit für Frauen und Männer geht. Der Rat arbeitet Vorschläge für die Förderung und Umsetzung der Chancengleichheit von Frauen und Männern aus.

Dem Rat obliegt es insbesondere:

  • die grundlegenden politischen Richtlinien der Regierung zur Umsetzung der Chancengleichheit von Frauen und Männern zu diskutieren und Empfehlungen dazu auszusprechen;
  • die Hauptrichtungen der ministeriellen Richtlinien im Bereich der Chancengleichheit von Frauen und Männern zu koordinieren;
  • Prioritäten für ministerielle Projekte zur Unterstützung der Umsetzung der Chancengleichheit von Frauen und Männern festzulegen;
  • aktuelle Probleme in der Gesellschaft im Zusammenhang mit der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Öffentlichkeit zu identifizieren;
  • die Effizienz der Durchsetzung des Prinzips der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern zu evaluieren.

Die Hauptziele, die die Tschechische Republik im Bereich der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen erreichen sollte, sind:

  • Verbesserung des institutionellen Mechanismus, um die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen sicherzustellen;
  • Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für Chancengleichheit;
  • Stärkung des Bewusstseins für Chancengleichheit von Männern und Frauen bei Personen in Entscheidungspositionen;
  • Erreichung einer allmählichen Veränderung der stereotypen Denk- und Verhaltensmuster in der tschechischen Gesellschaft;
  • Fortsetzung der Zusammenarbeit und des Informationsaustauschs sowohl mit den Mitgliedsstaaten der EU als auch mit den Kandidatenländern.

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Ministerium für Arbeit und Soziales

Das Ministerium für Arbeit und Soziales hat als Koordinator auf seiner Website einen Link zur Frage der Gleichstellung von Männern und Frauen, wo verschiedene Materialien und Dokumente über die Gleichstellung von Männern und Frauen zu finden sind. Dort gibt es auch eine Liste von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zur Gleichstellung von Männern und Frauen. Experten des Ministeriums für Arbeit und Soziales äußern sich regelmäßig in der Presse über die Lage von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und das Problem von gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Das Ministerium für Arbeit und Soziales ist zuständig für die gesamte Koordination aller nationalen Anstrengungen zur Unterstützung der Chancengleichheit von Frauen und Männern.

Die Koordinationsfunktion dieses Ministeriums wird von seiner Abteilung für europäische Integration und Außenbeziehungen, Amt für Gender Equality geleitet. Das Amt dient auch als Sekretariat des Regierungsrates für Chancengleichheit. Es gibt keine spezielle staatliche Haushaltszuweisung zur Förderung der Chancengleichheit und Förderung von Frauen. Die notwendigen Finanzmittel werden aus den Haushaltszuweisungen der Ministerien bereitgestellt. Das Ministerium für Arbeit und Soziales finanziert somit sowohl die Koordinationsfunktionen als auch die Arbeit des Regierungsrates für Chancengleichheit.

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Der Regierungsrat für Chancengleichheit von Frauen und Männern

Der Regierungsrat für Chancengleichheit von Frauen und Männern (nachstehend der Rat genannt) ist ein ständiges Beratungsgremium der Regierung in allen Belangen, bei denen es um die Herstellung der Chancengleichheit von Frauen und Männern geht. Der Rat wurde durch die Entschließung Nr. 1033 der tschechischen Regierung vom 10. Oktober 2001 eingesetzt. Mit der Entschließung Nr. 1095 der Regierung vom 6. November 2002 wurde Frau Anna Curdová zur Vorsitzenden ernannt.

Der Rat arbeitet Vorschläge für die Förderung und Umsetzung der Chancengleichheit von Frauen und Männern aus. Dem Rat obliegt es insbesondere:

  • die grundlegenden politischen Richtlinien der Regierung zur Umsetzung der Chancengleichheit von Frauen und Männern zu diskutieren und Empfehlungen dazu auszusprechen;
  • die Hauptrichtungen der ministeriellen Richtlinien im Bereich der Chancengleichheit von Frauen und Männern zu koordinieren;
  • Prioritäten für ministerielle Projekte zur Unterstützung der Umsetzung von Chancengleichheit von Frauen und Männern festzulegen;
  • aktuelle Probleme in der Gesellschaft im Zusammenhang mit der Chancengleichheit von Frauen und Männern in Öffentlichkeit zu identifizieren;
  • die Effizienz der Durchsetzung des Prinzips der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern zu evaluieren.

Die Ratssitzungen finden bei Bedarf statt, mindestens jedoch drei Mal im Jahr. Informationen über die Aktivitäten des Rates stehen der Öffentlichkeit auf den Webseiten der Regierung und den Webseiten des Ministeriums für Arbeit und Soziales zur Verfügung. Der Rat hat nicht die Befugnis, Bürgerbeschwerden über eine Verletzung des Prinzips der Gleichstellung von Frauen und Männern nachzugehen und zu untersuchen. Organisatorische, administrative und Expertenaufgaben sowie die Herausgabe und Aktualisierung von Informationen über die Aktivitäten des Rates werden vom Sekretariat des Rates festgelegt oder veranlasst, das zur Organisationsstruktur des Ministeriums für Arbeit und Soziales gehört.

Ministerstvo práce a sociálních vecí
Na Porícním právu 1
128 01 Praha 2
Fon: +420 2 2192 2583
Fax: +420 2 2192 3126

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Der Ausschuss zur Eliminierung aller Formen der Diskriminierung von Frauen

gehört zum Rat der Regierung für Menschenrechte. Seine Arbeit wird vom Sekretär des Rates der Regierung für Menschenrechte koordiniert. Der Ausschuss ist ein Beratungsgremium der Regierung und wurde eingesetzt, um Vorschläge zur Menschenrechtsgesetzgebung zu unterbreiten und Empfehlungen dazu abzugeben. Dem Ratsausschuss gehören Vertreter von NGOs, aus dem wissenschaftlichen Bereich und bestimmten Behörden der Exekutive, an. Die Arbeit des Ausschusses wird aus der Haushaltszuweisung der Regierungsstelle finanziert.

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Antidiskriminierungsgesetz

Existiert seit Dezember 2004. Ein Link konnte nicht ausfindig gemacht werden. (Zitat Radio Prag: „Die Bürger sollen besser vor Diskriminierung auf Grund ihres Geschlechts, Alters, Gesundheitszustands, ihrer Nationalität, Religion, sexuellen Orientierung bzw. ihres politischen Denkens und der Mitgliedschaft in einer politischen Partei geschützt werden. Das Kabinett hat am Mittwoch das sog. Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet, das dies vorsieht. Die Aufsicht über den gleichen Umgang mit allen Personen soll in den Kompetenzbereich des Ombudsmanns gehören. Abgelehnt wurde die Variante, ein neues Amt, das sog. Zentrum für gleichen Umgang, zu errichten.“)

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Gesetze zu Quoten v.a. im politischen und wirtschaftlichen Bereich

Frauenquoten in der Politik galten lange als links orientierter und damit abzulehnender Ansatz (eine 30%-Quote existierte in kommunistischen Zeiten). Erst Ende der 1990er Jahre veränderte sich dies. Eine breite Unterstützung für Forderungen zur Besserstellung von Frauen in der Gesellschaft ist aber nur schwer zu gewinnen. Lediglich die Sozialdemokratische Partei (SSD) hat eine Frauenquote, die bei 25% für alle Ämter liegt. 2006 verabschiedete das tschechische Parlament als erstes postkommunistisches Land ein Gesetz zur Regelung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Diese ist allerdings nicht der Ehe gleichgestellt und das Adoptionsrecht wird ihnen explizit verwehrt.

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Weitere Gesetze/rechtliche Regelungen + Regierungsprogramme

Verschiedene Richtlinien und Gesetze wurden erlassen durch das Ministerium für Arbeit und Soziales (englisch).

Gender-Projekte

  • Als erstes Kandidatenland war die Tschechische Republik 2001 bei der ersten Runde der Gemeinschaftsinitiative EQUAL mit dabei. Sieben von neun thematischen Feldern wurden in der Tschechischen Republik für die erste Runde der Gemeinschaftsinitiative EQUAL ausgewählt.
  • Das Ministerium für Arbeit und Soziales nahm 2002 Gespräche mit der Europäischen Kommission über die Einbeziehung der Tschechischen Republik in das Gemeinschaftsprogramm der Europäischen Kommission zur Rahmenstrategie für die Gleichstellung von Männern und Frauen (Fünftes Gemeinschaftsprogramm) auf.
  • Im August 2002 startete das Ministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen eines PHARE-Programms ein Twinning-Projekt, um den institutionellen Rahmen zur Gewährleistung der Chancengleichheit von Männern und Frauen zu verbessern. Dieses Projekt überprüft den bestehenden institutionellen Rahmen und dessen vorgeschlagene vertikale und horizontale Struktur auf der nationalen und lokalen Ebene. Schweden wurde für die Umsetzung des Projektes ausgesucht, da seine praktischen Ergebnisse bei der Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen allgemein anerkannt werden.
  • Im Bereich der Chancengleichheit von Männern und Frauen startete der Tschechische Frauenverband zusammen mit über 20 Organisationen im Oktober 2002 ein Projekt zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Projekt endete 2005.
  • Das Finanzministerium initiierte ein Bildungsprojekt unter dem Titel aktualisiertes Projekt zur Menschenrechtserziehung, das sich auf die Förderung des Prinzips der Chancengleichheit von Männern und Frauen konzentriert. Die Pilotveranstaltung für das Projekt war das Seminar „Förderung der Chancengleichheit von Männern und Frauen”, das im November 2002 stattfand und an dem 23 leitende Beamte und Verantwortliche teilnahmen. Dieser Veranstaltung folgte das Seminar „Gender-Fragen in der Praxis“, das sich von der Schwerpunktsetzung her mit der Motivation zur Änderung der Einstellung zur Gender-Frage, der Identifizierung möglicher Versäumnisse, die zu geschlechtsbedingter Diskriminierung führen, und der Festlegung unmittelbarer Ziele beschäftigte, die zur Eliminierung solcher Versäumnisse oder Defizite führen.

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Bildungsaktivitäten im Bereich der Chancengleichheit

Der Prozess der Bildung und Aufklärung von Staatsbeamten und –bediensteten über Chancengleichheit von Männern und Frauen, einschließlich Methoden von Gender Mainstreaming, hat in den meisten Ministerien begonnen. Die meisten von ihnen haben zumindest bereits Grundfortbildungskurse absolviert, die in Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales, dem Fachbereich Sozialarbeit an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität und der Organisation Gender Studies o.p.s. durchgeführt wurden. Ein wichtiger Beitrag zur Bildung und Aufklärung von Staatsbeamten und -bediensteten im Bereich Gender Equality leistete die Friedrich-Ebert-Stiftung, die dem Ministerium für Arbeit und Soziales weitere Zusammenarbeit zusagte.

Das Ministerium für Arbeit und Soziales nahm 2002 in seiner Zeitschrift „Sozialpolitik” die regelmäßig erscheinende Kolumne „Öffentliche Diskussion“ mit auf, die der Gleichstellung von Männern und Frauen gewidmet ist. Voraussetzung für eine öffentliche Diskussion ist, dass die Öffentlichkeit ausreichende Informationen erhält, und das Ministerium aktualisiert und erweitert deshalb fast wöchentlich seine Website (tschechisch, englisch – die letzten updates bezüglich dieses Themas liegen bereits Jahre zurück), was die Frage der Gleichstellung von Männern und Frauen angeht.

Darüber hinaus veröffentlicht und erweitert das Ministerium für Arbeit und Soziales auch Handbücher und Leitfäden mit Informationen, die notwendig sind, um den Grundsatz der Chancengleichheit von Männern und Frauen in die Praxis umzusetzen. 2002 veröffentlichte es ein detailliertes Handbuch mit dem Titel „Gender Mainstreaming” (124 Seiten), das Handbuch „Prinzipien der Nichtdiskriminierung in der Gesetzgebung der Europäischen Union” (160 Seiten), das Richtlinien der Europäischen Union und sonstige Dokumente über die Gleichstellung von Männern und Frauen enthält, sowie einen Basisleitfaden für die breite Öffentlichkeit „Gleiche Rechte und Chancen für Männer und Frauen in der Europäischen Union“ (22 Seiten).

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Aktueller politischer Diskurs

Auf der offiziellen politischen Agenda stehen keine expliziten Gleichstellungsthemen. Die eingerichteten Stellen für die Förderung der Gleichberechtigung arbeiten weiterhin ohne nennenswerte Aktionen, sie wurden aber mit dem Regierungswechsel aber auch nicht offensichtlich beschnitten. Keine einzige Frau ist Mitglied der Regierung. Und das wird sehr wohl kritisiert von den AkteurInnen im Bereich der Gleichstellung und von Frauenaktivistinnen.
Politische Themen liegen weiterhin eher im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und hier in der Bereitstellung von genügend Betreuungsplätzen für Vorschulkinder.

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Akteur_innen
NGOs: Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen

Asociace Pro Rovné Prílezitosti Muzu A Zen (Vereinigung zur Gleichstellung von Mann und Frau, tschechisch):
Jansová Eliska
Gorazdova 20
Praha 2
Email: gender.office@ecn.cz

Národní Kontaktní Centrum - Zeny A Veda (Nationales Kontaktzentrum – Frauen in der Wissenschaft, tschechisch und National Contact Centre – Women & Science, englisch):
V Kolkovne 3
110 00 Prague 1
Fon: +420 222 222 32
Fax: +420 222 220 143
E-Mail: info@zenyaveda.cz

Es ist ein Projekt des Instituts der Soziologie der Wissenschaftsakademie der Tschechischen Republik finanziert vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport mit dem EUPRO Programm.

Athena - Association for Education and Development of Women (tschechisch, englisch):
Das ist eine NGO, die sich mit der Bildung und Qualifizierung von Frauen beschäftigt, aber auch mit anderen marginalisierten Gruppen wie Senioren und ethnischen Minderheiten. Sie kümmern sich ebenfalls um Bildungsinhalte und deren Gender awareness.

Tschechischen Helsinki Kommitee (tschechisch, englisch):
Dort werden die unterschiedlichsten Themen zu Menschenrechten und Demokratie promotet. Unter anderem haben sie Projekte zur Gleichbehandlung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und zu Partnerschaftlichkeit in der Familie.

Ceský svaz žen (Tschechische Frauenunion, tschechisch und in Teilen englisch):
Die Union hat sich die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zum Ziel gesetzt. Sie ist Dachorganisation unterschiedlicher Nichtregierungsorganisationen und grassroots units, die sich mit Gleichberechtigung und/oder Frauen beschäftigen. Sie haben Büros in jeder der Regionen Tschechiens.

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Regierung, Ministerien

Rada Vlády Pro Rovné Prílezitosti Zen A Muzu (Rat für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern, tschechisch, englisch):
Government Office
Nábreží E. Beneše 4
118 01 Prague 1
Phone: 224 002 111
E-mail: posta@vlada.cz
Leiterin: Pavla Špondrová,
Phone: 224 002 140
E-mail: spondrova.pavla@vlada.cz

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Andere Akteur_innen

Genderstudies (tschechisch, englisch):
non-profit NGO, die sich der Gleichstellung von Frauen und Männern widmet und dies erreichen will mit unterschiedlichen Aktionen, Aufklärung u.ä. Sie sind sehr gut vernetzt und haben einen kompetenten Stab an Wissenschaftlerinnen und Mitarbeiterinnen.

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Wissenschaft
Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen

Gender Studies/Universität Prag (tschechisch, englisch):
Die wissenschaftliche Vernetzung ist sehr gut in Tschechien. Es gibt mehrere Hochschulen, die dazu arbeiten.

Fakulta Sociálních Studií Masarykovy Univerzity (tschechisch, englisch) oder Gender Centrum (tschechisch):
Gender centrum
Fakulta sociálních studií MU
Katedra sociologie / genderová studia
Joštova 10
602 00 Brno
E-mail: gender@fss.muni.cz

Genderové informacní centrum NORA (Gender Informationszentrum, tschechisch):
Aus einer wissenschaftlichen Initiative entstanden ist es eine Plattform für Informationen rund um das Thema Gender, Aktionen und Veröffentlichungen. Unter anderem wird das feministische Magazin FEMA herausgegeben.
Genderové informacní centrum NORA, o.p.s.
Ševcenkova 2
Brno - Bosonohy 642 00

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Quellen

Beschreibung der Quellenlage:

Die Quellenlage ist nicht allzu gut. Vieles steht ausschließlich auf Tschechisch zur Verfügung, aber man findet dank der Vernetzung vieles im Internet und in der nicht mehr aktuellen, aber in weiten Teilen noch gültigen Fachliteratur ist Tschechien als eines der unmittelbaren Nachbarländer gut dokumentiert.

Benennung der relevanten Quellen:

Rovné příležitosti, eine Seite mit Good Practise mit Kontakt zum Institut Gender Studies in Prag:  (tschechisch, englisch):
Sie veröffentlichen u.a. die Firma des Jahres unter Gender-Gesichtspunkten.

Projekt Gender Management (tschechisch, z. Teil deutsch):
Unterstützung der Chancengleichheit in der Tschechischen Republik

Gender und Soziologie (tschechisch)

feminismus.cz (tschechisch, englisch):
Eine umfangreiche Seite mit Diskussionsforum und vielen weiterführenden Links sowie Texten und Informationen
Gender Studies, o.p.s.
Marksová-Tominová Mísa
Gorazdova 20 Praha 2
Email: gender.office@ecn.cz

Central Europen Centre for Women and Youth in Science (englisch):
Hier findet sich eine Kurzbeschreibung der wichtigsten politischen Gegebenheiten in Bezug auf Gender Equality in Tschechien (leider nicht mehr ganz aktuell).

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Literatur

Michaela Marksova-Tominova, „Der Unmut wächst: politische Partizipation von Frauen in Tschechien im Wandel“, in: Hoecker/Fuchs, Handbuch Politische Partizipation von Frauen in Europa, Band II, Verlag für Sozialwissenschaften (VS), Wiesbaden 2004?

Jirina Siklova, „Welcher Feminismus existiert im Postkommunismus? Ein deutschtschechischer Vergleich, in: Jünemann/Klement (Hrsg.) „Die Gleichstellungspolitik in der Europäischen Union, Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Integration e.V., Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2005

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Ergebnisse einer Recherche von Tanja Berger und Pamela Dorsch 2010 im Auftrag des Gunda-Werner-Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung
Gut zu wissen
  • Das Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland (EBD) organisiert und fördert den europapolitischen Dialog zwischen Gesellschaft und Politik in Deutschland. mehr»
  • Dänemark übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft für sechs Monate unter dem Motto "Europa bei der Arbeit". Darin wird u.a. ein Schwerpunk auf der Steigerung der Anzahl von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten privater Unternehmen sowie in Ausbildungsprogrammen in den Wachstumsbereichen wie Innovation, grüne Technologie und Naturwissenschaften, liegen. mehr»
  • Neue Studie über Gleichstellungspolitik in Norwegen - Bestnoten im internationalen Vergleich mehr»
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