Frauensicherheitsrat: Deutschland soll sich im UN-Sicherheitsrat für Menschenrechte und Resolution 1325 einsetzen

Am Dienstag ist die Bundesrepublik für zwei Jahre zum nichtständigen Mitglied des UN-Sicherheitsrates gewählt worden. Dazu erklärt Gitti Hentschel als Sprecherin des Frauensicherheitsrates, eines seit 2003 bestehenden Netzwerks von Friedensforscherinnen und Friedensaktivistinnen:

„Der Frauensicherheitsrat schließt sich der Stellungnahme des Deutschen Instituts für Menschenrechte an, wonach die Bundesregierung menschenrechtlichen Anliegen ein besseres Gehör im Sicherheitsrat verschaffen sollte. Sicherheit darf nicht länger als national-militärische Sicherheit eines Staates, sondern muss als Sicherheit aller Menschen verstanden werden – im Sinne des Konzepts der Menschlichen Sicherheit, human security.

Die vor zehn Jahren im Oktober 2000 vom UN-Sicherheitsrat einstimmig verabschiedete Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit ist hierfür ein extrem wichtiger Baustein. Die völkerrechtlich verbindliche Resolution fordert die verstärkte Einbeziehung von Frauen auf allen Ebenen von Friedensprozessen. Sie lässt sich in 3 „P“ zusammenfassen: Partizipation von Frauen an Friedenstischen und in Wiederaufbauprozessen, Protektion vor sexualisierter Gewalt, Prävention neuer Gewalt. An allen wesentlichen Friedensverhandlungen der letzten zehn Jahre waren Frauen jedoch kaum vertreten, ihr durchschnittlicher Anteil lag bei deutlich weniger als acht Prozent.

Obwohl sie häufig als „Frauen-Resolution“ bezeichnet wird, geht es nicht darum, dass Frauen aus Gründen politischer Korrektheit einbezogen werden. Frauen sind auch nicht die besseren oder friedlicheren Menschen. Aber sie haben aufgrund der ihnen zugeschriebenen sozialen Rollen eine größere Distanz zu Militär, Krieg, Macht und Gewalt. In praktisch allen Konflikten arbeiten Friedensfrauen über nationale, ethnische und religiöse „Feindeslinien“ hinweg zusammen. Studien zeigen: Sie zu unterstützen, bedeutet, Friedensprozesse nachhaltig und effektiv zu gestalten. Um diese Erkenntnisse zu vertiefen, hat das Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung herausragende VertreterInnen aus zahlreichen Konfliktländern zu einer internationalen Konferenz vom 28. bis 30. Oktober in Berlin eingeladen.

Leider hat sich die Bundesregierung dieses Thema bisher weitgehend ignoriert. Obwohl in der Bundestagsdebatte am 8. Oktober zum Thema Resolution 1325 mit Grünen, SPD und Linkspartei in nunmehr gleich drei Bundestagsfraktionen die Auflage eines Nationalen Aktionsplanes zur Umsetzung von Resolution 1325 fordern, glaubt die Regierung weiterhin, sie könne darauf verzichten. Damit zeigt sie nicht nur ein vormodernes Politikverständnis, sondern droht langsam zum Schlusslicht der EU zu werden. Die EU selbst bekennt sich in diversen Erklärungen deutlich zur Resolution, zudem haben bereits 12 EU-Länder nationale Aktionspläne verabschiedet. Da die von EU und UN entwickelten Indikatoren zur Umsetzungsmessung einer EU-weiten vereinheitlichten Umsetzungsstrategie mit vergleichbarer inhaltlicher Struktur in den Ländern bedürfen, wird die Bundesregierung zunehmend zum Bremsklotz der europaweiten Umsetzung.

10 Jahre UN-Resolution 1325
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GENDERKICKS 2011 Love me Gender - Gender is Happening - eine Happeningwoche des Gunda Werner Institutes Was ist der Streit-Wert? Online-Debatten zu Feminismus und Geschlechterdemokratie
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POSITIONEN DES GUNDA-WERNER-INSTITUTS
Gemeinsam mit internationalen Expert_innen fordert und fördert das Gunda-Werner-Institut eine geschlechtergerechte, feministische Frieden- und Sicherheitspolitik. Dafür haben wir Vorschläge zur Umsetzung entwickelt. mehr»
Gut zu wissen
  • Toolbox Krisenmanagement - Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Prinzipien, Akteure, Instrumente. Herausgegeben von: Stiftung für Wissenschaft und Politik sowie dem Zentrum für Internationale Friedenseinsätze  [» PDF]
  • Ergebnisse der 55. Commission on the Status of Women (CSW) der UN
    Die CSW beschäftigt sich mit den Themen Gender, Frieden und Sicherheit. Die Ergebnisse des Treffens 2011 hat peacewomen.org zusammengefasst (engl.). mehr»
  • Reform at the United Nations
    High-Level Panel on Threats, Challenges and Change, 2004 mehr»
  • UN-Reform: What's in it for Women?
    The publication features reflections, insights, and analysis by women from different regions specifically examining the impact of the UN reform process on women at the regional and national levels. [» PDF]
  • World Summit 2005 (Millennium+5 Gipfel)
    Anlässlich des 60. Geburtstags der Vereinten Nationen. Ziele waren Evaluation der Fortschritte seit der Millenniumserklärung und Vorschläge zur Reform der UN. mehr»
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    06. bis 08. September 2000 mehr»
  • UNIFE
    contributed to the summit in several ways mehr»
  • Millennium Development Goals (MDGs)
    Die Regierungen haben auf dem UN-Millenniumgipfel 2000 klare Vorgaben für die Umsetzung von acht konkreten und messbaren Entwicklungszielen festgeschrieben. mehr»
  • En Route to Equality
    A Gender Review of National MDG Reports, 2005 [» PDF]
  • The Millennium Development Goals Report 2007 [» PDF]
  • The Millennium Development Goals Report 2010 [» PDF]
  • Frauen an den Konfliktherd
    Von Gitti Hentschel, 2007 [» PDF]
  • Challenges to the European security strategy from a gender perspective
    Contribution to an international conference on gender-inclusive decision making for peace with justice: "Who’s making policy? What difference does it make?", 18.-20.10. 2006 -Von Gitti Hentschel [» PDF]
  • Roadmap to 1325 – a Project for Engendering the European Peace and Security Policy'
    Vortrag von Gitti Hentschel 2007 [» PDF]
  • UNRIC
    Das regionale UN-Informationszentrum für Westeuropa zur Frauenpolitik der UN und Peking+5 mehr»