Oft sind diese Gewaltstrategien ethnisch „maskiert“, etwa in den Paschtunengebieten Afghanistans. Ihre wahre Ursache liegt aber oftmals nicht im Konflikt zwischen „Stämmen“, „Ethnien“ und „Clans“, sondern in einer völlig deregulierten, gewaltoffenen Wirtschaft, die kaum oder keine Erwerbschancen in friedlichen Wirtschaftszweigen übrig lässt. In die dadurch entstehenden Kriegswirtschaftssysteme sind nicht selten auch westliche Staaten und sogar Hilforganisationen verwickelt, wenn diese Schutzgelder an Warlords entrichten, um ihre Hilfslieferungen ins Kriegsgebiet transportieren zu können. Da diese Gewaltakteure oder Gewaltunternehmer an den Konflikten enorm verdienen, haben sie keinerlei Interesse an Friedensabkommen und torpedieren diese, wo sie können. Das macht die Beendigung solcher Konflikte so schwierig. Auch dafür ist der zuletzt im Herbst 2008 neu entflammte Krieg in den rohstoffreichen Gebieten des Kongo ein anschauliches Beispiel.
Quelle: Georg Elwert, Gewaltmärkte, in: Trutz von Trotha (Hrg), Soziologie der Gewalt, Opladen 1997, sowie Georg Elwert, Wie ethnisch sind Bürgerkriege? E+Z Nr.10, Oktober 1998, S.265-267


