Gewaltmärkte und neue Gewaltakteure
Unter Gewaltmärkten versteht der Ethnologe Georg Elwert, der den Begriff in den 90er-Jahren prägte, „als Bürgerkrieg, Kriegsherrensysteme oder Räubertum bezeichnete Konflikte, bei denen das ökonomische Motiv des materiellen Profits dominiert.“ In fragilen oder gescheiterten Staaten treten Warlords, Multinationale Konzerne oder private Militär- und Sicherheitsagenturen als ökonomische Akteure auf und setzen Gewalt kalkuliert und zweckrational ein, um sich zu bereichern – etwa durch den Handel mit Waffen, Treibstoff, Drogen, Frauen und Kindern, durch Entführungen, Erpressungen und Schutzgelder oder durch illegal oder halblegal ausgebeutete Rohstoffe, beispielsweise in den Minen der Demokratischen Republik Kongo.

Oft sind diese Gewaltstrategien ethnisch „maskiert“, etwa in den Paschtunengebieten Afghanistans. Ihre wahre Ursache liegt aber oftmals nicht im Konflikt zwischen „Stämmen“, „Ethnien“ und „Clans“, sondern in einer völlig deregulierten, gewaltoffenen Wirtschaft, die kaum oder keine Erwerbschancen in friedlichen Wirtschaftszweigen übrig lässt. In die dadurch entstehenden Kriegswirtschaftssysteme sind nicht selten auch westliche Staaten und sogar Hilforganisationen verwickelt, wenn diese Schutzgelder an Warlords entrichten, um ihre Hilfslieferungen ins Kriegsgebiet transportieren zu können. Da diese Gewaltakteure oder Gewaltunternehmer an den Konflikten enorm verdienen, haben sie keinerlei Interesse an Friedensabkommen und torpedieren diese, wo sie können. Das macht die Beendigung solcher Konflikte so schwierig. Auch dafür ist der zuletzt im Herbst 2008 neu entflammte Krieg in den rohstoffreichen Gebieten des Kongo ein anschauliches Beispiel.

Quelle: Georg Elwert, Gewaltmärkte, in: Trutz von Trotha (Hrg), Soziologie der Gewalt, Opladen 1997, sowie Georg Elwert, Wie ethnisch sind Bürgerkriege? E+Z Nr.10, Oktober 1998, S.265-267

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