Wir könnten auch anders
Grafik: Wir könnten auch anders
Steuerpolitik soll sich an gelebte Realität anpassen und nicht umgekehrt. Doch nicht nur im zeitlichen Verlauf zeigt sich, dass das Ehegattensplitting für Paare immer stärker an Bedeutung verliert, da weniger Menschen in klassischen Mustern innerfamiliärer Arbeitsteilung leben möchten. 

Der Blick auf die deutsche Gesellschaft, aber auch auf europäische Nachbarn zeigt, dass das Ehegattensplitting kein deutsches, sondern ein westdeutsches Sondermodell ist. Auch wenn das steuerlich geförderte „Hausfrauenmodell“ einen Teil deutscher Gesellschaftsgeschichte beschreibt – ein anderer Teil dieser Gesellschaft ist ganz selbstverständlich von der Vollzeit-Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen geprägt. Diese erwerbsarbeitsorientierte Sozialisation ostdeutscher Frauen und Männer bewirkt bis heute eine deutlich höhere Erwerbsneigung im Osten Deutschlands – aller steuerlichen „Vorteile“ zum Trotz.

Doch wer nun die individuelle Besteuerung als Bestandteil einer Diktatur brandmarken will, wird vom österreichischen Steuersystem eines besseren belehrt: Hier wurde in den 1970er Jahren die Individualbesteuerung eingeführt und als Bestandteil einer vergleichweise konsequenten und ambitionierten Umsetzung von Gender-Mainstreaming-Richtlinien begriffen. Diese beiden Beispiele zeigen, dass eine radikale Reform der Ehegattenbesteuerung nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig ist.

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Love me Gender - Gender is Happening - eine Happeningwoche des Gunda Werner Institutes
Gut zu wissen
  • Fehlanreize durch Ehegattensplitting
    Gutachten der Sachverständigenkommission an das BMFSFJ vom Januar 2011 von Ute Klammer u.a. [»PDF]
  • Ehegattensplitting abschaffen
    Argumente gegen das Ehegattensplitting mehr»
  • Kriterien für eine geschlechtergerechte Steuerpolitik
    Individualbesteuerung im Vergleich mit Splittingverfahren mehr»