Wir könnten auch anders
Der Blick auf die deutsche Gesellschaft, aber auch auf europäische Nachbarn zeigt, dass das Ehegattensplitting kein deutsches, sondern ein westdeutsches Sondermodell ist. Auch wenn das steuerlich geförderte „Hausfrauenmodell“ einen Teil deutscher Gesellschaftsgeschichte beschreibt – ein anderer Teil dieser Gesellschaft ist ganz selbstverständlich von der Vollzeit-Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen geprägt. Diese erwerbsarbeitsorientierte Sozialisation ostdeutscher Frauen und Männer bewirkt bis heute eine deutlich höhere Erwerbsneigung im Osten Deutschlands – aller steuerlichen „Vorteile“ zum Trotz.
Doch wer nun die individuelle Besteuerung als Bestandteil einer Diktatur brandmarken will, wird vom österreichischen Steuersystem eines besseren belehrt: Hier wurde in den 1970er Jahren die Individualbesteuerung eingeführt und als Bestandteil einer vergleichweise konsequenten und ambitionierten Umsetzung von Gender-Mainstreaming-Richtlinien begriffen. Diese beiden Beispiele zeigen, dass eine radikale Reform der Ehegattenbesteuerung nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig ist.
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